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Ach, verkaufen müssen wir auch?

Das größte Versprechen einer Marke ist die Verlässlichkeit – da weiß ich, was ich bekomme. Deshalb erlassen die Wächter der Corporate Identity in der Regel strikte Vorschriften für den einheitlichen Auftritt ihrer Unternehmen. Nicht überall können sie sich offenbar damit durchsetzen. Beispiel EDEKA. Seit dem legendären „Heimkommen“-Clip von 2015 hat der genossenschaftliche Einzelhändler einen respektablen Ruf. Und auch die Roboter-Apokalypse dieses Jahres setzt zumindest ein Ausrufezeichen. Wenn’s aber um den tagtäglichen Brot- und Butter-Verkauf geht, baut das gleiche Unternehmen auf eher Altbackenes. Ach, verkaufen müssen wir auch? Nehmen Sie nur den jüngsten EDEKA-Prospekt mit der frohen Botschaft „Bald ist Weihnachten“. Tja, das Leben steckt voller Überraschungen. Aber Vorsicht: Wenn es nach EDEKAs Super-Knüller geht, müssen Sie den Weihnachts-Stress mit einem 2,49-Euro-Sekt runterspülen. Gut so, denn dann ertragen Sie auch die „hilfreichen Tipps“ für den 19.12. besser: „Im Familienrat – auch wenn es nur zu zweit ist – können Sie bereits die anstehenden Feiertage vorbesprechen. Wer kann welche Aufgaben übernehmen?“ Wann hat wohl der listige Opa im „Heimkommen“-Clip seinen letzten Familienrat einberufen? Das will so gar nicht zusammenpassen. Die Imagewerbung bedient ein ganz anderes Assoziationsfeld als die Verkaufsunterstützung des Marktes um die Ecke. Das eine ist „above the line“, das andere „below the line“. Schade, wenn sich das eine nicht um das andere schert.

 

Edeka