Ein Witz sagt mehr als tausend Worte

Teil 3: Die Aussage im Text gegen das Bild im Kopf

Manchmal machen wir es uns einfach und haben vorschnell ein Bild von einem Sachverhalt im Kopf. Statt genau hinzuhören oder hinzulesen (wieso gibt es dieses Wort eigentlich nicht?), meinen wir sofort zu verstehen, was gemeint ist – im folgenden witzigen Beispiel leider ein Missverständnis:

Unterhalten sich zwei Hundehalter.

Sagt der Eine: „Mein Hund jagt immer Leute auf dem Fahrrad.“

Darauf der Andere: „Und was machst Du dann?“

„Ich nehm’ ihm das Fahrrad weg.“

Der Witz funktioniert nur, weil Sprache eben nicht immer wörtlich genommen wird. Denn wenn man es grammatikalisch genau nimmt, lässt der Satz „Mein Hund jagt immer Leute auf dem Fahrrad“  beide Antworten auf die Frage zu, wer sich denn eigentlich aufs Zweirad schwingt: der Hund oder die Leute? Doch diesen Interpretationsmöglichkeiten sind wir uns gar nicht bewusst. Im Kopf haben wir ein eindeutiges Bild, geformt aus eigenen Beobachtungen von Hunden, die Jagd auf alles machen, was sich schnell bewegt – Jogger und Radfahrer beispielsweise. Und dieses Bild wird aufgerufen, wenn wir die Reizwörter „Hund“, „jagt“, „Fahrrad“ hören.

Aber es ist doch nur ein Witz? Sicher, aber das Prinzip funktioniert auch im richtigen Leben. Besonders gerne dann, wenn werbliche Texte zu sehr die Perspektive des werbenden Unternehmens einnehmen – und damit ungewollt manches Vorurteil bestätigen. Dagegen hilft nur, sich ganz in die Perspektive des Kunden zu versetzen: Was denkt, fühlt und empfindet er bei diesem Text? Wie versteht er ihn? Welche Bilder hat er vor Augen?

Wie man trotz dieser Behutsamkeit Interesse weckt und Aufmerksamkeit findet, darüber bald mehr in Teil 4 unserer kleinen Serie.