Mit manchen Verben lieber nicht werben

Teil 2: Aktiv werden und weglassen

Wer überfrachteten Sätzen voller Einschübe den Krieg erklären will, sollte sich daran erinnern, dass ein Leser zum Verständnis eines passiven Satzes 80 Prozent mehr Energie braucht als zum Verständnis eines aktiven Satzes. So lautet zumindest eine alte, gleichwohl nie belegte Journalisten-Weisheit. Beliebter Bestandteil solcher Passiv-Konstruktionen ist das Wörtchen „durch“: „Der Verkehr wird durch Polizeibeamte umgeleitet.“ Mitten durch? Die armen Polizisten! Wenn schon passiv, dann „von Polizisten umgeleitet“. Aber besser aktiv: „Polizisten leiten den Verkehr um.“ Es kann so einfach sein …

Aber nicht nur die Verben haben es in sich, auch Adjektive entpuppen sich manchmal als schmierige Bananenschale. Wenn von einem „schweren Diebstahl“ die Rede ist, mag das juristisch korrekt sein. Aber wie viel wiegt eigentlich ein schwerer Diebstahl? Bleiben wir noch eine Sekunde im Polizeibericht, der einen „bewaffneten Raubüberfall“ vermeldet. Kann es gar nicht geben, denn bewaffnet ist allenfalls der Räuber, nicht der Überfall.

Wer dem Ganzen noch die Krone aufsetzen will, doppelt sich fröhlich durch den Text. Den „weißen Schnee“ kennt jeder, aber was ist mit Worten wie „stillschweigen“ oder „abändern“ und „anmieten“?

Weniger wäre mehr gewesen, was auch für den folgenden Einstieg in ein Mailing gilt:

„Sehr geehrter Herr Muster,

sicherlich haben Sie schon über Ihre finanzielle Vorsorge für den Notfall oder die Zeit nach Ihrer Berufstätigkeit nachgedacht. Vielleicht haben Sie auch schon vorgesorgt. Trotzdem sollten wir uns einmal gemeinsam Gedanken über dieses Thema machen.“ Hand aufs Herz: Warum um alles in der Welt soll man hier weiterlesen?

Mehr dazu bald in Teil 3 unserer kleinen Serie.